Die folgende Website eröffnet Ihnen die Möglichkeit , einen Rabbiner zu finden: er lebt in London, kommt aber auch zu Ihnen. Er bietet an, Zeremonien durchzuführen, die mit den verschiedenen Lebenszyklen wie Geburt, Hochzeit und Tod verbunden sind.
Wenn Sie auf dieser Seite angelangt sind, kennen Sie wahrscheinlich keinen Rabbi oder der Rabbiner in Ihrer Region kann oder möchte Ihnen nicht helfen.
Eine der meist gestellten Fragen ist, wie man einen Rabbiner ausfindig macht, der Zeremonien für Paare unterschiedlicher Religionen, z.B. eine Trauung oder die Namensgebung eines Kindes, vornimmt oder sogar mit einem Vertreter der jeweils anderen Religion zusammenarbeitet. Andere mögliche Anlässe, die einen Rabbiner notwendig machen könnten, wären ein Begräbnis oder eine Feuerbestattung.
Zunehmend suchen auch gleichgeschlechtliche Paare, deren Lebensgemeinschaften in Europa immer häufiger anerkannt werden, einen Rabbiner, um eben diese Gemeinschaft religiös zu feiern.
Verwenden Sie die "Contact Me" Seite, um genauere Angaben zu Ihrer Situation - vorzugsweise in englischer Sprache - zu machen.
Ich werde mein Bestes tun, um Ihnen zu helfen.
Interreligiöse Hochzeiten
Eines
der Probleme, mit dem sich heute alle Religionen
auseinandersetzen müssen, ist, wie ererbte Traditionen in
Einklang mit den Bedürfnissen der Gemeinden gebracht werden
können.
Die
meisten Glaubensrichtungen gehen davon aus, daß sie all das
Wissen schützen müssen, das durch göttliche Offenbarung,
kulturelle Entwicklung und historische Erfahrung gewonnen
worden ist. Von den Menschen erwartet man, dem zu
entsprechen oder ihr Verhalten dahingehend zu ändern, daß
sie sich in die ererbte Praxis einfügen, obgleich die
Tradition selbst niemals eine statische war, sondern sich
immer weiter entwickelt hat. Die Bemühungen, Tradition und
Moderne in Einklang zu bringen, haben im Judentum zwei
Haltungen hervorgebracht. Zum einen gibt es die orthodoxe
Einstellung. Diese zielt darauf ab, die sich selbst
regulierenden, selbst erhaltenden und von selbst
fortwährenden Gemeinschaften der Vergangenheit nachzuahmen.
Sie rühmt solche Juden, die sich dem anschließen und äußert
sich kaum über andere, die dies nicht tun. Doch wie schon
das Musical „Fiddler on the Roof“ zeigte, waren
die traditionellen Werte sogar im Stetl von nur begrenzter
Bedeutung, wenn etwa die Töchter darauf bestanden, sich
ihre Ehemänner selbst auszusuchen.
Zum
anderen gibt es die liberale Haltung, die darin besteht,
Tradition und Brauchtum zu reformieren, wobei eine größere
Flexibilität gezeigt wird. Aber auch das hat seine Grenzen.
Eine dritte Möglichkeit wäre es, die soziologische
Wirklichkeit in eine religiöse Herausforderung zu
verwandeln. Das Judentum hat in seinen kreativsten Zeiten
immer versucht, die wichtigsten Momente im Leben der
Menschen zu heiligen. Judentum war immer dann am besten,
wenn es der Wirklichkeit am nächsten kam. Dies wurde
erreicht, indem man den neuen und tatsächlichen
Situationen, in denen Menschen sich befanden, Heiligkeit
verlieh. Man brachte Verständnis auf, statt zu verdammen.
Doch
einige Praktiken erscheinen aufgrund von Konvention und
Gewohnheit gegenwärtig als derart inakzeptabel, daß es
schwierig geworden ist, von Neuem über sie auch nur
nachzudenken und zu überprüfen, ob sie immer noch passen.
Oft gehen die Einstellung, ein Tabu und die damit
verbundenen Sanktionen aufrechtzuerhalten, und die Gründe,
die es ursprünglich einmal gerechtfertigt hatten, weit
auseinander. Die Weisen und Autoritäten der antiken
Vergangenheit helfen in der Gegenwart jedoch nicht immer
weiter. Die Erkenntnisse heutiger, außerhalb des Judentums
stehender Wissenschaften, waren ihnen unbekannt. Einige der
Dilemmas, vor denen die gegenwärtige Gesellschaft steht,
sind jenseits dessen, was im rabbinischen Schrifttum in
Betracht gezogen wurde. Nicht alles, was aus der
Vergangenheit ererbt ist, läßt sich heute anwenden. Es ist
uns erlaubt, unsere Intelligenz und unser Bewußtsein
einzusetzen, wenn wir Moralität und Ethik entwickeln.
Rituale und Tradition haben nur dann Wert, wenn sie in
einem Kontext stattfinden, der das geistige und
gemeinschaftliche Leben derer einschließt, die sie
betreffen.
Viele
der Erklärungen, die heute von religiösen Führern geäußert
werden, wie inspirierend oder verdienstvoll sie auch sein
mögen, haben nur wenig Auswirkung. Vielmehr spiegeln sie
den Graben zwischen religiösen Idealen und menschlicher
Realität wider. Dieses Mißverhältnis führt möglicherweise
auf beiden Seiten zu Unzufriedenheit und Enttäuschung.
Rabbiner können sich nicht einerseits über Leute
beschweren, die ihre Synagogen nicht besuchen, wenn man
andererseits von ihnen nicht das Gefühl vermittelt bekommt,
daß sie auf die religiösen Bedürfnisse ihrer Gemeinden
eingehen. Es überrascht kaum, daß Menschen aufhören,
Synagogen zu besuchen, wenn sie sich (ob zu Recht oder zu
Unrecht) abgewiesen und beleidigt fühlen, oder wenn es
keinerlei Hilfsbereitschaft gibt, die Wahl ihres
Lebenspartners religiös zu feiern.
Die
meisten Rabbiner fühlen sich durchaus in die Notlage
gemischt-religiöser Paare ein. Sie sind bewegt, doch
bestenfalls bieten sie eine Konversion an, oder aber sie
schicken solche Paare fort. Für einen erheblichen Teil der
Gemeindemitglieder ist jedoch nicht allein die rabbinische
Interpretation der jüdischen Gesetze das Kriterium, mit
welchem sie ihre religiöse Identität ausdrücken. Sie
beziehen sich vielmehr auf eine Mischung von Erinnerung,
Symbolen und Solidarität.
Der
Haupteinwand gegen gemischt-religiöse Ehen ist, daß sie
eine Bedrohung für die Fortexistenz des jüdischen Volkes
seien. Das Überleben ist für die Nach-Holocaust-Generation
eine besonders große Sorge. Doch die Angst, ob die Eltern
jüdische Enkel haben werden, ist wenig hilfreich. Sie
bedeutet, Kinder zu haben, sei bereits die Definition für
eine erfolgreiche Ehe. Das mag in der Vergangenheit
gestimmt haben, doch heute zählt in erster Linie die
Qualität der Beziehung zwischen den Partnern. Großeltern
geht es oft mehr darum, daß die Enkelkinder – egal
welcher Religion – gesund und glücklich sind und daß
sie in einer geschützten Umgebung aufwachsen können. Hier
hat das Judentum sicherlich eine Rolle zu spielen, aber es
verfügt nicht über das Monopol.
Selten
sieht man in jüdischen Medien Einzelheiten, Bilder oder
Ankündigungen von gemischt-religiösen Hochzeiten. Doch
diese finden statt, sie sind die Nachricht, aber es wird
nicht darüber berichtet. Sogar innerhalb rabbinischer
Vereinigungen oder Gemeindeorganisationen ist es ein zu
schwieriges Thema, um offen und ehrlich darüber zu
diskutieren. Es wird, zumindest nach meiner Erfahrung, auch
nicht ernsthaft als Teil der rabbinischen Ausbildung
behandelt. Bei einer Rate von 40 Prozent
gemischt-religiösen Paaren in Großbritannien, kann man sich
jedoch fragen, wie viele interkonfessionellen Paare noch
nötig sind, bevor sich die Einstellung ändert. Wie lange
kann Theologie der Demographie widerstehen?
Viele
Paare wünschen sich eine religiöse Zeremonie, bei der es
eine vertraute jüdische Präsenz gibt. Eine, bei der ein
Rabbiner amtiert, die aber Elemente enthält, in denen beide
Familien ihre Herkunft wiedererkennen. Dies kann eine
Hochzeit, eine Lebenspartnerschaft-Zeremonie, ein Segen für
ein Kind, eine Beerdigung oder eine Einäscherung sein. Wenn
der interreligiöse Dialog ernst genommen werden soll, muß
er größere Auswirkungen haben als gelegentliche Treffen,
Bildungskurse und akademische Texte. Er muß sich in unserem
Gebetbuch, Gemeindeleben und unserer Bereitschaft,
gemeinsam mit anderen zu amtieren, niederschlagen. Dies
schließt auch den Willen ein, die Glaubensrichtungen, Werte
und Anliegen anderer Religionen oder jener, die keine
haben, wertzuschätzen, und nicht nur unsere eigenen. Es
bedeutet, die Vielfalt sexueller Entscheidungen
anzuerkennen.
Es
gibt viele Stimmen im zeitgenössischen Judentum. Unter
ihnen befinden sich das Bedürfnis nach und der Platz für
einen Rabbiner in Europa, der bereit ist, öffentlich
gemischt-religiöse Vereinigungen zu feiern, ebenso wie
andere Zeremonien des Lebenszyklus. Solche Ereignisse
stehen derzeit außerhalb des jüdischen Gesetzes, aber das
bedeutet nicht, daß sie keinen Wert, keine Bedeutung oder
keine Wichtigkeit haben. Die Mehrheit der Juden lebt nicht
mehr in einem Ghetto. Wenn Juden sich dafür entscheiden, in
freien, aufgeklärten und pluralistischen Gesellschaften zu
leben, sind gemischt-religiöse Ehen eine der natürlichen
und normalen Konsequenzen. Man kann nicht das eine ohne das
andere haben.